Hate Speech und Gegenmaßnahmen – Newsletter #12

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Julia Tegeler

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Hallo und herzlich willkommen zur Ausgabe #12 von Upgrade Democracy News

Wie im letzten Newsletter berichtet, stecken wir mitten in den Vorbereitungen der nächsten Events: Der zweite Workshop in unserem Foresight-Prozess zur Zukunft der digitalen Öffentlichkeit und den damit verbundenen Herausforderungen für die Demokratie steht kurz bevor. Die Organisation unserer nächsten internationalen Recherchereise nach Bangkok läuft auf Hochtouren. Und für unser Modellprojekt zur Stärkung von Informationskompetenz bereiten wir den offiziellen Kick-off im November vor. Kurzum: Wir werkeln gerade hinter der Bühne. Ihr müsst euch also noch ein wenig gedulden, bis wir euch die nächsten spannenden Ergebnisse aus unserer Projektarbeit vorstellen.

Das gibt mir die Gelegenheit, heute ein Thema anzuschneiden, das eng mit Desinformationen verwoben ist: Hate Speech. Mit diesem Begriff sind Aussagen gemeint, die bestimmte Personen oder Gruppen abwerten, diffamieren oder bedrohen. Diese Abwertungen können sich auf Merkmale wie Hautfarbe, Herkunft, sexuelle Orientierung, Geschlecht, Alter, Behinderung oder Religion beziehen und basieren auf der Annahme, dass bestimmte Menschen oder Gruppen weniger wert seien als andere. Hate Speech ist nicht bloß eine Meinungsäußerung, sondern eine schädliche Äußerung, die das Ziel hat, Hass und Vorurteile zu verbreiten und das soziale Klima zu vergiften. Auf der Sitzung des Nationalen Komitees der No Hate Speech Movement am 6.10. in Berlin, auf der ich war, ging es unter anderem um die Frage, wie Hate Speech und Desinformation zusammenhängen und wie sich damit umgehen lässt. Dazu möchte ich gern einige Gedanken mit euch teilen.

Zunächst gilt es im Blick haben, dass es sich bei Hate Speech und Desinformationen um zwei verschiedene Phänomene handelt. Trotzdem sind sie oft eng miteinander verflochten. In vielen Desinformationskampagnen werden gezielt falsche oder irreführende Informationen über bestimmte Gruppen verbreitet, um Vorurteile oder Feindseligkeit zu schüren. In diesen Fällen sind Desinformationen ein fruchtbarer Nährboden für Hate Speech. Umgekehrt können Vorurteile oder Hass Menschen dazu verleiten, solche Desinformationen zu verbreiten.

Desinformationen und Hate Speech gehen also oft Hand in Hand. Für den Umgang mit beiden Phänomenen bedeutet das: Viele Gegenmaßnahmen können und sollten beides zugleich adressieren. Das gelingt beispielsweise durch die Stärkung von Medienkompetenz oder Maßnahmen im Kontext von Platform Governance. Zu ersterem hat die Initiative weitklick bei der Sitzung des Nationalen Komitees von ihrem neuesten Online-Kurs für Lehrkräfte und andere Multiplikator:innen im Bildungsbereich berichtet. Der Kurs befasst sich mit Hate Speech im Kontext von Desinformationen und mit Handlungsstrategien im Umgang mit desinformierender Hate Speech. Es lohnt sich, dort mal reinzuschauen. Für den schnellen, praxisnahen Einstieg ins Thema ist die Broschüre „Hate Speech und Fake News. Fragen und Antworten“ der Amadeu Antonio Stiftung super. Sie bietet kompakt anhand von 25 Fragen grundlegende Infos und konkrete Tipps für den Umgang mit Hate Speech im Alltag. Wer sich einen umfassenden und systematischen Überblick über bestehende Gegenmaßnahmen gegen Hate Speech verschaffen will, dem empfehle ich die Online Hate Speech Intervention Map, an der aus unserem Team auch Charlotte mitgearbeitet hat. Die Links zu den drei Quellen finden ihr unten, zusammen mit einigen weiteren Event- und Literaturempfehlungen.

Bis zum nächsten Mal!

Herzlichst Julia


Macht Wahrheit: Medienkompetenz in Ostasien und Europa – Online-Konferenz von Goethe Institut und Bundeszentrale für politische Bildung

Am 28. Oktober 2023 führt das Goethe-Institut gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung eine Onlinekonferenz durch. Expert:innen aus Korea, Japan, Taiwan und Deutschland werden darüber sprechen, wie die Zivilgesellschaft, Journalist:innen und Regulierapparate mit Fehlinformationen und Hassrede in ihren Regionen umgehen und ihre Ansätze diskutieren. Fachleute aus den Bereichen Medien- und politische Bildung, Journalismus, Regulierung und aus dem wissenschaftlichen Bereich sowie alle Interessierte sind herzlich eingeladen, teilzunehmen.
Meldet euch hier an.


Netzpolitik & Demokratie – bundesweite Aktionstage der Landeszentralen und Bundeszentrale für politische Bildung

Vom 13. bis 19. November finden wieder die bundesweiten Aktionstage Netzpolitik & Demokratie statt, die von den Landeszentralen für politische Bildung und der Bundeszentrale für politische Bildung koordiniert werden. Die Aktionstage sollen das Thema Netzpolitik und Demokratie in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und politische Medienbildung fördern. Es gibt einige spannende analoge und digitale Veranstaltungen – auch zum Thema Desinformation – und man kann auch selbst noch etwas anbieten.
Hier geht’s zum Programm.


Jetzt noch registrieren für #Disinfo2023 in Krakau!

Am 11. und 12. Oktober 2023 findet die Jahreskonferenz von EUDisinfoLab in Krakau, Polen statt. An beiden Tagen diskutieren spannende Expert:innen die dringenden Fragen rund um das Thema Desinformation. Das Spannungsfeld KI und Desinformation wird dieses Jahr besonders im Fokus sein. Unser Team war letztes Jahr dabei und wir können dieses Event nur allen wärmstens empfehlen, die im Themenfeld Desinformation lernen, sich austauschen und vernetzen möchten.
Hier geht es zur Registrierung.


Leseempfehlungen

  • The Online Hate Speech Interventions Map, by Charlotte Freihse & Vladimir Bojarskichin: Hate Crime Prevention, Hate Speech Interventions, Online Hate, 15.08.2023
    Hier geht’s zur Map
  • Desinformation und Hate Speech – Online-Kurs für Lehrkräfte, von Weitklick-Redaktion, 31.05.2023
    Hier geht’s zum Kurs
  • Hate Speech und Fake News. Fragen und Antworten, Amadeu Antonio Stiftung u. a., November 2023
    Hier geht’s zur Broschüre
  • Having the Tools but not Knowing how to use them: Considerations on Digital and Media Literacy, By Maria Giovanna Sessa, Research Manager, EU Disinfolab, Oktober 2023
    Hier geht’s zum Beitrag
  • Tackling Fake News in Kenya: A UN Resident Coordinator Blog, 01.10.2023
    Hier geht’s zum Beitrag
  • From Risk to Revolution: How AI Can Revive Democracy, By Alex Krasodomski, 29.09.2023
    Hier geht’s zum Beitrag

Julia Tegeler

Julia Tegeler

Project Manager

Julia Tegeler ist Project Manager im Programm „Demokratie und Zusammenhalt“ der Bertelsmann Stiftung und arbeitet im Projekt „Upgrade Democracy“. Hier beschäftigt sie sich mit der Frage, wie demokratische Diskurse im digitalen Raum gestärkt werden können. Mit zivilgesellschaftlichen Partnern arbeitet sie daran, im Rahmen eines Modellprojekts einen praktischen Beitrag zum besseren Umgang mit Desinformationen im Netz zu leisten. Zuvor hat Julia Tegeler seit 2012 für die Bertelsmann Stiftung diverse Projekte zur Werte- und Demokratiebildung sowie zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts umgesetzt – unter anderem „TeamUp! Werte gemeinsam leben“, „Young Europeans´ Forum 2019“ und „Stendal besser machen“. Hier hat sie insbesondere Erfahrung in der Umsetzung, im Transfer und der Skalierung von Modellprojekten gesammelt. Vor der Arbeit bei der Bertelsmann Stiftung war sie als Projektmanagerin für die Qualität von Studium und Lehre an der Universität Bielefeld tätig, als hochschulpolitische Referentin der Landesrektorenkonferenz der Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen sowie als Lehrassistentin in der Abteilung Philosophie der Universität Bielefeld. Julia Tegeler hat an der Universität Bielefeld und University of Adelaide studiert und einen Magister in Philosophie und Germanistik.

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